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Aktionswoche in der Jugendanstalt zum Stiftungsjubiläum

28. September 1970, JVA Bruchsal: Altbundestrainer Sepp Herberger – der Macher des Wunders von Bern - besucht Inhaftierte getreu seinem Motto: „Wer oben steht, darf die unten nicht vergessen“. Das war vor genau 50 Jahren die Geburtsstunde der Resozialisierungsprojekte der Sepp-Herberger-Stiftung.

Die Stiftung würdigt das Jubiläum in diesen Tagen mit einer Aktionswoche in allen Jugendstrafanstalten, die sich an ihrem bundesweiten Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ beteiligen.

Die JA Hameln gehört seit 2012 zu der Initiative, die die Stiftung gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit betreibt. Highlights der Corona bedingt reduzierten Aktionswoche in der JA Hameln sind der Besuch des DFB-Mobils, die Abschlussmodule in der Junior Coach Ausbildung mit Ausgabe der Lizenzen und eine Lesung mit Zain-Alabidin Al-Khatir aus seinem Buch „Ums Überleben kämpfen“ am 03.10. Al-Khatir beschreibt bedrückend seine jahrelange Flüchtlingsodyssee bis nach Deutschland, berichtet aber auch über gelungene Integration durch den Fußball. Der Niedersächsische Fußballverband hat ihn zum Soccer Refugee Coach ausgebildet.

Einen besonderen Höhepunkt in der Aktionswoche gab es zu Beginn mit dem Besuch von Stiftungskuratoren und vom JA-Partner SV Werder Bremen.

Vom Kuratorium konnten der Leiter der JA Wolfgang Kuhlmann und Projektleiter Michael Wehmann „König“ Otto Rehagel, Michael Herberger, Musikproduzent und Urgroßneffe von Sepp Herberger und Lars Klingbeil, Fußballfreund und im Hauptberuf SPD Generalsekretär und Bundestagsabgeordneter begrüßen. Der SV Werder Bremen, zu dessen „Hundert % Werder Partnern“ sich die JA seit 12 Jahren zählen darf, war mit dem Präsidenten Dr. Hubertus Hess-Grunewald und Michael Arends vom CSR-Management vertreten. Auch mit dabei: Helga Kappmeyer und Raffaela Söffker von der Agentur für Arbeit in Hameln als lokaler Projektpartner. Nach der stimmungsvollen Begrüßung durch Wolfgang Kuhlmann, in der er der Sepp-Herberger-Stiftung für ihr Engagement im Jugendvollzug dankte und die lebendige Partnerschaft des SV Werder mit der JA würdigte, gab es einen Anstaltsrundgang auf Abstand und anschließend eine von Michael Wehmann moderierte Talkrunde mit den Ehrengästen und Inhaftierten. Dr. Hess-Grunewald erläuterte die Hintergründe für das schon jahrzehntelange soziale und gesellschaftspolitische Engagement seines Vereins: „Über 40 Millionen Bürgerinnen und Bürger schauen auf den Fußball und seine prominenten Akteure. Damit hat der Fußball, wie der gesamte Profisport, eine große Verantwortung, wenn es um Werte und um Solidarität mit Schwächeren geht.“ Fußballfan Lars Klingbeil outete sich mit Augenzwinkern in Richtung Werder als Anhänger eines sehr erfolgreichen süddeutschen Profiklubs. An ihn ging die Frage – an diesem Ort wohl nicht zufällig – wie er mit Konfliktsituationen und Anfeindungen umgehe. Sein Rat an die jungen Inhaftierten: Nicht mit Aggression antworten. Besonnenheit sei wichtig und selber erst mal runterkommen. Oft höre er dazu gute Musik.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Zuhörer von „König Ottos“ eindringlichem Statement auf die Frage, welchen Rat er den jungen Sportlern mit auf den Lebensweg geben wolle: „Macht Euch jeden Tag aufs Neue klar, dass ihr nur dieses eine Leben habt! Macht Euch das nicht mit Straftaten und Drogen kaputt. Nutzt die Chancen, die euch hier geboten werden.“

Zum Abschluss des Besuchs übergab Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der Stiftung, einen Satz Trainingsbälle und einen Trikotsatz an das Hamelner Projektteam.
Gäste anlässlich des Jubiläums der Sepp-Herberger-Stiftung in der JA Hameln   Bildrechte: Carsten Kobow
Anstaltsleiter Kuhlmann zusammen mit den Gästen der Sepp-Herberger-Stiftung
Forum mit Inhaftierten der JA und den Gästen der Stiftung   Bildrechte: JA Hameln
Forum mit Inhaftierten der JA und den Gästen der Stiftung

Artikel-Informationen

erstellt am:
02.10.2020
zuletzt aktualisiert am:
05.10.2020

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