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"Ein Schlag zwei Leben..."

Christoph Rickels besucht die Abteilung Göttingen


"leer"

Unter dieser Message empfing die Jugendanstalt Hameln/ Abteilung offener Jugendvollzug in Göttingen, Herrn Christoph Rickels am 29.11.2018, um sich gemeinsam mit den hier inhaftierten Jugendlichen über die Folgen sowie Auswirkungen von Gewalttaten zu unterhalten.

Nach einem Diskobesuch vor nunmehr mehr als 11 Jahren wurde Christoph Rickels brutal zusammengeschlagen, so dass er anschließend vier Monate lang im Koma lag. Seither ist Christoph zu 80 % schwerbehindert und erwerbsunfähig. Christoph Rickels kämpfte sich zurück ins Leben und dabei hat er es sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen über die Auswirkungen und Folgen von Gewalttaten zu informieren, aber auch zu warnen. Im Rahmen des hierzu gegründeten Projektes „First togetherness“ reist er seither durch Schulen, Jugendeinrichtungen aber eben auch in den Vollzug, um mit den Jugendlichen hierüber ins Gespräch zu kommen. Die Idee, Christoph Rickels in den Jugendvollzug der Abteilung Göttingen einzuladen kam nicht von ungefähr, sondern wird in Anlehnung an die wichtige Aufgabe der Opferorientierung im Vollzug, initiiert. Hierzu findet derzeit in der Abteilung Göttingen der Jugendanstalt Hameln die Maßnahme „Seitenwechsel“ mit den jugendlichen Inhaftierten statt. In dieser Maßnahme geht es insbesondere darum, dass die jugendlichen Inhaftierten einen Perspektiv- einen Seitenwechsel einnehmen sollen um sich mit der Sicht der Opfer näher zu befassen.

Gesagt, getan. Nachdem Christoph Rickels nun schon zum zweiten Mal in der Hauptanstalt der Jugendanstalt Hameln war, und dort mit den Inhaftierten sehr eindrücklich über seinen Schicksalsschlag sowie einhergehender Auswirkungen in Gespräch kam war klar, Christoph Rickels muss nun auch nach Göttingen.

Christoph Rickels steht für mehr Toleranz und ein friedvolles Miteinander. Die Veranstaltung mit ihm am 29.11.2018 in der Abteilung Göttingen vermittelte genau dies. Christoph beginnt und auf einmal wird es ruhig in der Aula des offenen Vollzuges in welcher sich zu dieser Veranstaltung nicht nur die jugendlichen Inhaftierten, sondern auch eine Vielzahl an Kolleginnen und Kolleginnen eingefunden haben.

„Ein Schlag, zwei Leben“, hiermit leitet Christoph seinen mitreißenden Vortrag ein. Vor ca. 11 Jahren habe er einem Mädchen ein Getränk in der Diskothek ausgeben wollen. Kurz danach war alles vorbei. Ihr damaliger Freund hatte ihm aufgelauert. Ein Schlag genügte, denn er traf Christoph Rickels mit voller Wucht, so dass er mit dem Kopf auf den harten Steinboden schlug. Die Folgen waren mehrfache Gehirnblutungen, Tage in denen er um sein Leben rang; vier Monate die er im Koma lag. Christoph musste alles neu lernen aber er hat es geschafft eine Vielzahl von Menschen mit seiner Geschichte zu erreichen. Dies gelingt ihm bis heute, dies ist allen Anwesenden nach der Veranstaltung in Göttingen klar. Während des Vortrages rührt sich keiner, es herrscht aufmerksame Stille. Die jugendlichen Inhaftierten sind beeindruckt von dem Mut den Christoph aufbringt um mit Ihnen, mit jugendlichen Straftätern, ins Gespräch zu kommen. Der Vortrag wird insbesondere deshalb so nahbar für die jugendlichen Inhaftierten, da Christoph während seines Vortrages beschreibt, wie er selbst noch vor dieser Tragödie, welche ihm wiederfahren ist, war. Ein junger Mann, bei den „Mädels“ beliebt, unter den Freunden der „coole Typ“. Was bedeutet es „cool“ zu sein? Mit dieser Frage regt er die Jugendlichen nochmal zum Nachdenken an.

Die so eindrucksvolle Veranstaltung endet mit vielen Danksagungen, „Standing Ovation“ – Danke! Danke Christoph Rickels für deine Zeit und den so eindrücklichen Vortrag in Göttingen. Einige Inhaftierte melden sich nach der Veranstaltung zu Wort und sind beeindruckt aber auch zutiefst betroffen von Christophs Schicksal. Diese Veranstaltung wird auch weiterhin noch mit den jugendlichen Inhaftierten thematisiert werden.

Eine rundum gelungene Veranstaltung unter der o.g. Thematik „Restorative Justice“ hat in Göttingen stattgefunden. Wiedergutmachende Gerechtigkeit – so der Leitsatz wiederfährt nun auch Christoph durch seine Projektgründung „First togetherness“ mit welcher er zählige Menschen erreicht. Das Projekt zeigt Wirkung, nicht umsonst wurde Christoph 2012 vom damaligen niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann für sein mutiges Engagement mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet.

Artikel-Informationen

erstellt am:
08.03.2019
zuletzt aktualisiert am:
03.07.2019

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