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Zain-Alabidin liest in der Jugendanstalt Hameln

Zain Al-Khatir liest aus seinem Buch Bildrechte: JA Hameln
Zain Al-Khatir liest in der JA

Als vor wenigen Wochen Brände das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos verwüsteten, riefen uns bedrückende Bilder in Erinnerung, dass die „Flüchtlingsfrage“ nicht nur ein kontrovers diskutiertes Thema in Brüssel ist. Vielmehr verbergen sich hinter den anonymen Geflüchtetenzahlen vielfach dramatische menschliche Schicksale voller Leid, Entbehrung und Demütigung.

Der junge Sudanese Zain-Alabidin Al-Khatir hat dieses Martyrium erlebt, nachdem er seine Heimat 2013 aus Angst vor politischer Verfolgung verlassen musste. Über seine Erlebnisse hat er das Buch „Ums Überleben kämpfen“ geschrieben. Über seinen Weg über Ägypten nach Libyen, wo er zusammen mit tausenden anderer geflohener Männer, Frauen und Kinder zwei Jahre Ausbeutung, Willkür, Erniedrigung und Gewalt erlebte. Er berichtet über die dramatische Reise über das Mittelmeer und legt das menschenverachtende System der Schleuser offen. Zu Al-Khatirs berührenden Innenansichten gehören aber auch die Ängste und Sorgen nach der Rettung: Werde ich bleiben können, wird man mich zurück in den Sudan bringen? Er stellt sich die Frage, was er selber tun könne, um sich in Deutschland zurecht zu finden und zu integrieren und beantwortet sie von Anfang an mit Initiative und Fleiß. Deutsch- und Integrationskurse saugt er förmlich auf. Seine Sprachkenntnisse reichen schließlich für die Ausbildung zum Mechatroniker. Der junge Mann nutzte das Integrationsangebot des Niedersächsischen Fußballverbands, ließ sich zum Soccer Refugee Coach ausbilden und arbeitet heute ehrenamtlich als Fußball-Jugendtrainer. An dieser Stelle dockt auch die Verbindung zur Jugendanstalt Hameln an. Im Rahmen einer Aktionswoche der Sepp-Herberger-Stiftung kam Al-Khatir bereits zum zweiten Mal in die Anstalt und las vor den Teilnehmern des Stiftungsprojekts „Anstoß für ein neues Leben“ aus seinem Buch. Las - und ließ lesen. Reihum übernahmen Inhaftierte jeweils einen Textabschnitt, was die tiefen Eindrücke bei den Teilnehmern noch verstärkte. „Man hört in den Nachrichten immer mal was von Flüchtlingen. Ich habe mich auch schon gefragt, was die hier alle wollen. Jetzt denke ich, so einfach ist das nicht mit Grenzen dicht und so. Da gibt es furchtbare Schicksale,“ lautete das vorläufige Fazit eines Teilnehmers. Wie viel Kraft und Mut Zain aufgebracht habe, um zu überleben, zollt ein anderer dem Autor Respekt.

Gedanken wie diese sind es, die Projektleiter Michael Wehmann mit der Lesung und mit Aktionen wie der Begegnung mit einem Gewaltopfer und Menschen mit unterschiedlichen Handikaps bei den Projektteilnehmern anstoßen will. „Natürlich steht bei „Anstoß für ein neues Leben“ der Fußball im Mittelpunkt. Uns geht es aber auch darum, die jungen Persönlichkeiten zu fördern und Empathie zu trainieren, statt immer nur die eigenen Bedürfnisse zu sehen“, stellt Wehmann die Vielschichtigkeit des Projekts heraus.

Zain Al-Khatir liest aus seinem Buch neben ihm ein Inhaftierter   Bildrechte: JA Hameln
Zain Al-Khatir liest in der Jugendanstalt vor Inhaftierten   Bildrechte: JA Hameln
Zain Al-Khatir liest in der Jugendanstalt vor Inhaftierten

Artikel-Informationen

erstellt am:
08.10.2020

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